Rock is back! Metallicas neues Album „Hardwired… to self-distruct“ ist frei von Pop und sinfonischen Spielereien

Frische Songs von Metallica gab es zuletzt vor acht Jahren, daher reißen sich die Käufer die neue CD der kalifornischen Metaller – „Hardwired… to self-distruct“ heißt sie – aus den Händen. Ist sie es wert? Der Titel lässt jedenfalls einiges erwarten. Er bedeutet auf Deutsch irgendetwas zwischen „Vernetzt bis zum Abwinken“ und „Ferngesteuert in die Selbstzerstörung“. Das spricht für ein düsteres Album.hardwiredHardwired… to self-distruct bei iTunes

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Dass Künstler sich mit Tod und Zerstörung beschäftigen, ist heute alles andere als gewöhnlich. Wer sich im Textbooklet als erstes das Themenspektrum der aktuellen Scheibe ansieht, merkt schnell, dass James Hetfild, Lars Ulrich und Co. immer noch so wenig Angst vor dem letzten Atemzug haben wie Anfang der 80er, als sie koksanimiert mit „Kill `em all“ in Los Angeles starteten. Die Jahre der symphonischen Streicheridylle sind endgültig vorbei, die Band besinnt sich wieder auf ihre herausragende Qualität: menschliche Agonie so attraktiv zu zeichnen, wie sonst niemand überhaupt auf die Idee käme. „We’re so fucked, shit outta luck“, heißt es schon im Titelsong „Hardwired“, es geht ganz unten los und rast immer tiefer in Paranoia, Verzweiflung und Angst. Geht es da wirklich ums Vernetztsein im Alltag des Web 2.1 – oder doch um Irrsinn? Als astreines Speedmetal-Stück mit packendem Gitarrenriff hält einen der Song sofort gefangen. Auch wegen Lars Ulrich: Der Schlagzeuger übertrifft sich auf „Hardwired…“ selbst. Er wirbelt dem Zuhörer Beats um die Ohren, als ginge es im Starfighter durch den Orkus, das Ganze zum puren Ohrengenuss abgemischt. Ein genialer Chrakterzug dieses Albums!

Wie gefällt euch das neue Album „Hardwired… to self-distruct“ von Metallica? Können die Jungs noch fetten Rock?

Ergebniss der Abstimmung

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Nach der Tour de force des Einstiegssongs geht es klassisch weiter. Gleich das zweite Stück „Atlas rise!“ ist charakteristisch für schicken 80er-Jahre Metal. Tiefe Gitarrenriffs schrummen sich gemessen an der tragischen Situation von Atlas entlang, dem griechischen Gott, der die ganze Welt alleine auf seinen Schultern tragen muss. „Moth into flame“ beschäftigt sich mit der zerstörerischen Kraft von Ruhm, wobei Metallica hier mit dem bekannten Tempowechsel arbeiten, der schon so viele ihrer Songs in geschickt erzählte Storys verwandelte. In Zeiten der Flaute geht es ungeduldig zweifelnd dahin, im Refrain wird zu vollem Tempo aufgedreht, um dem Zuhörer den Rausch des Erfolgs ins Gehirn zu schießen.

metallica-bandKonfusion, das Tier im Menschen, bittere Rache, Mord und die Lust, einfach auszurasten – das sind die Storys der weiteren und insgesamt zwölf Songs auf zwei CDs, die das Metalquartett mit klassischer Instrumentierung und auf höchstem technischen Niveau abliefert. Mit „Dream no more“ ist sogar der Mythos von Cthulhu vertreten, dieses Motiv des hoffnungslosen Wahnsinns, das 1926 der amerikanische Schriftsteller H.P. Lovecraft erfand und das zu den liebsten Themen der globalen Metalgemeinde zählt. James Hetfield (Gesang), Lars Ulrich (Drums), Robert Trujillo (Bass) und Kirk Hammet (Gitarre) erzählen den Zusammenbruch im Angesicht der außerirdischen Gottheit langsam, laut und mit Wut und Verzweiflung in den Lead-Vocals. In solchen dramatischen Stücken wird klar, wie wichtig eigentlich der Text in den Songs von Metallica ist. „Cthulhu awaken“ eignet sich vom Wortrhythmus her nicht besonders gut als zentraler Schlachtruf, doch er muss her, denn das ist nun mal die Botschaft. So läuft es auch mit „You ask forgiveness, I give you sweet revenge“ in „Revenge“ oder mit der Hookline „Am I savage?“ im gleichnamigen Song – alle unpraktisch, aber zum Schlagwort gekrönt. Es lebe der jambische Trochäus! Die Instrumente fangen die Verse auf und packen sie in wetterfesten, eleganten und manchmal auch angenehm weichen beinharten Sound, gespielt auf den besten Saiteninstrumenten, Basedrums und Toms der Welt.

 

Das Ganze ist unglaublich hochwertig. Nicht zu vergessen die Videos, die die Band zu jedem einzelnen Songs produziert hat. Auf Youtube gibt es nicht nur Ripps des Albums, wie es bei heiß erwarteten CD-Releases oft üblich ist, sondern eigens für das Social Network produzierte Filme in voller Liedlänge. Man sieht es mal wieder: Wer wirklich groß ist, muss sich nicht mit Prinzipienreiterei und Klagen wichtigmachen.

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So geht es dahin auf den schwarzen, trägen Wassern des Metalflusses. Erst im letzten Song „Spit out the bone“ zieht das Tempo wieder an – schade, so spät, das hätte im Laufe des Albums ruhig öfter passieren dürfen. Speed ist schließlich Metallicas Ursprungsdisziplin, die sie beherrschen wie kein anderer, weil sie das richtige Maß kennen. Wie viel müssen sie in ihrem Leben nur selbst davon gehört haben! Ist einmal Schluss mit den Kaliforniern, stehen Speedmetal-Fans ziemlich verwaist da.

 

Klug ist da der, der sich die Deluxe-Edition von „Hardwired…“ gönnt. Hier gibt es eine dritte CD mit dazu, die perfekt abgemischte Liveversionen temporeicher Songs versammelt. „Lords of Summer“ ist neu, doch dann folgen all die alten, guten Bonbons: „Hit the lights“, „The four horsemen“, „Jump in the fire“, „Metal Militia“ und einige mehr. Auch „Hardwired“ ist nochmal zu hören – mit Sicherheit der genialste Song des neuen Wurfs.

 

Bildquellen:
Universal Music

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